AKAI MPC Renaissance Test

Pro + Contra

  • Pro
  • Sehr gute Material- und Herstellungsqualität
  • Hochwertige Wandler mit bis zu 24 Bit und 96 kHz
  • Hervorragender druckvoller Klang
  • Gute Haptik mit intuitivem Workflow
  • Übersichtliche Benutzeroberfläche der Software
  • Projekte aller Vorgänger-MPCs können geladen werden.
  • Zweifacher USB-Hub
  • Anzahl der MIDI-Schnittstellen
  • Hochwertige Sounds und Effekte
  • Externe Plugins können eingebunden werden
  • Bewährte MPC-Pads mit neuer Randbeleuchtung
  • Integrierter Phono-Preamp
  • Mikrofoninput mit Phantomspeisung
  • Berührungsempfindliche Q-Link-Regler
  • Komplexere Grooves dank neuer Swing-Funktion

  • Contra
  • Kein deutschsprachiges Manual
  • Hardware ist Software-Dongle
  • FX-Plugins fehlt die Bypass-Funktion

Ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit AKAI 1988 mit der MPC 60 sein erstes MIDI-Production-Center auf dem Markt vorstellte. Seitdem folgten zahlreiche, neue Ausführungen, wie zum Beispiel 1994 die MPC 3000, im Jahr 2002 das Modell 4000, 2007 die erste batteriebetriebene Variante MPC 500 und zwei Jahre später die vorerst letzte Version MPC 5000. Abgesehen von größeren Speicherkapazitäten, höher auflösenden Audio-Schnittstellen und sonstigen Neuerungen, hatte sich an dem vom legendären Roger Linn entwickelten Design und der Arbeitsweise des MIDI Production Centers über die Jahre hinweg nur wenig verändert.

Besonders im Hip-Hop und Drum´n´Bass hat die MPC-Serie aufgrund ihrer intuitiven Bedienbarkeit, den hochwertigen Pads, ihrer druckvollen A/D-Wandler sowie des typischen MPC-Grooves weltweit nach wie vor eine sehr große Anhängerschaft. In Zeiten immer leistungsfähigerer DAWs und Software-Instrumente wirken die „altgedienten“ MPCs aufgrund ihres begrenzten Speichers allerdings ziemlich antiquiert. AKAI hat entsprechend reagiert und Anfang 2012 neue Prototypen vorgestellt: MPC Fly für das iPad, MPC Studio und meinen heutigen Studiogast MPC Renaissance.

Die bahnbrechende Neuerung dieser Serie besteht darin, dass die Herzstücke der MPC, nämlich Klangerzeugung und Sequencing, in einen Computer ausgelagert werden. Dazu hat AKAI eine Software entwickelt, welche die Leistungsfähigkeit des altbewährten Konzepts auf ein völlig neues Level bringen könnte. Im Gegensatz zur MPC Studio, bei der es sich um einen reinen Controller handelt, ist die Renaissance mit einer Vielzahl an analogen und digitalen Ein- und Ausgängen bestückt. Auch ein zweifacher USB-Hub und eine vollwertige MIDI-Schnittstelle sind beim „Flaggschiff“ mit an Bord. Die Renaissance kann standalone oder als Software-Instrument innerhalb einer DAW betrieben werden. Neben zahlreichen Effekten und virtuellen Instrumenten - die Software scheint es wirklich in sich zu haben - legt AKAI auch gleich eine neun Gigabyte große Sound-Bibliothek mit ins Paket. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Projekte aller bisherigen MPC-Modelle von der Software gelesen werden können, dann klingt der zunächst etwas hoch anmutende Preis von 1080 € UVP vielleicht doch gerechtfertigt. Doch stellen sich wahrscheinlich nicht nur mir direkt einige Fragen: Hat es AKAI geschafft, die intuitive Arbeitsweise und die bewährte Haptik der MPC-Serie auch bei der Renaissance zu erhalten? Wie ist die Qualität der Hardware? Wie klingt das Teil? Läuft die Software stabil? Wir gehen der Sache im folgenden Artikel auf den Grund.

Details

Da MPC Renaissance nicht via USB bestromt werden kann, liegt dem Paket ein Steckernetzteil zur Spannungsversorgung bei. Ein USB-Kabel Typ-B dient zur Verbindung mit einem Computer. Neben den üblichen Garantieinfos finde ich im Karton ein verständlich formuliertes, deutschsprachiges Quickstart-Manual zum zügigen Einstieg in die Gerätefunktionen. Eine ausführliche Bedienungsanleitung liegt zum Testzeitpunkt nur in digitaler, englischsprachiger Form vor. Hilfreich hingegen ist das große, doppelseitige Feature-Sheet, welches alle grundlegenden Funktionen der einzelnen Bedienelemente erklärt. Die MPC-Software kommt auf DVD mit vier weiteren Silberlingen im Schlepptau, die drei virtuelle Instrumente sowie die zuvor angesprochene Sound-Bibliothek enthalten. 

Erster Eindruck

Gleich beim Auspacken wird mir klar, dass ich es hier nicht mit einem herkömmlichen Controller zu tun habe. Das fast fünf Kilogramm schwere Gehäuse des Gerätes wirkt sehr robust und wertig. Der Hauptgrund dafür ist wohl, dass die Ober- und Unterseite sowie das Backpanel aus Metall bestehen. Die Frontblende aus Kunststoff und die beiden mit Hartgummi überzogenen Seitenteile wirken ebenfalls sehr stabil. Positiv ins Auge fällt auch die überaus praktische Handballen-Stütze, welche von der alten MPC 60 übernommen wurde. Die 16 Pads sind stabil verbaut und bieten auf den ersten Blick bewährte AKAI-Qualität. Einen ebenso guten Eindruck machen die zahlreichen Tasten und Drehregler. Dass auch bei den Anschlüssen nicht (am falschen Ende) gespart wurde, erkennt man auf den ersten Blick. Die Buchsen der vier analogen Audioausgänge sind fest im Gehäuse verschraubt. Die Cinch-Buchsen der S/PDIFs und des Phono-Inputs sind vergoldet. Fazit: Material und Verarbeitung sind absolut vorbildlich und verdienen die Bestnote. Weiter so!

Anschlüsse

Das Backpanel beheimatet vier analoge Eingänge. Zwei davon sind symmetrisch und liegen in Form von praktischen Kombi-Buchsen (XLR/Klinke) vor. Diese beiden Eingänge können wahlweise mit Line-Signalen oder Mikrofonen gespeist werden. Die Auswahl erfolgt über einen Schalter. Einen direkten Anschluss von Kondensatormikrofonen macht die zuschaltbare Phantomspeisung möglich. Die beiden weiteren analogen Inputs sind nicht symmetrisch. An die beiden vergoldeten Cinch-Buchsen kann der Besitzer wahlweise einen Plattenspieler oder ein Gerät mit Line-Pegel anschließen, wobei die Auswahl der Signalquelle über einen Umschalter erfolgt. Eine verchromte Schraube befestigt Erdungskabel. Per S/PDIF (Cinch) lässt sich ein digitales Audiosignal in die MPC einspeisen oder ausgeben. Vier weitere Outputs liegen als symmetrischen 6,3-Millimeter-Klinkenbuchsen vor. Diese sind die beiden Stereoausgänge (L/R) sowie zwei frei zuweisbare Mix-Outs. Auf der Rückseite sind ferner vier MIDI-Outputs sowie zwei MIDI-Inputs (alle 5-Pol-DIN) und eine USB-Buchse (Typ-B/ 2.0) beheimatet. Zwei weitere USB-Buchsen (Typ-A/ 2.0) dienen als USB-Hub. Den Abschluss bilden eine Steckernetzteil-Aufnahme nebst Einschaltknopf. Gleich zwei Kopfhörerausgänge befinden sich in der Frontblende des Gerätes. Einmal als große Klinke und einmal als Miniklinke ausgeführt. Sie werden gemeinsam mit einem Drehregler justiert. Ein weiterer Knopf bestimmt das Mischungsverhältnis von Main- und Assign-Out auf den Kopfhörerausgängen. Auch Fußschalter-Anschlussbuchsen sind im Angebot.

Herzstück

Herzstück der Renaissance ist, wie bei allen MPC-Modellen, das in der Mitte des Gerätes platzierte Feld mit den 16 anschlagdynamischen Pads. Diese haben zwar das klassische, graue Design, doch verfügen sie nun über eine zusätzliche Randbeleuchtung. Diese gibt in sieben verschieden Farben Auskunft über den aktuellen Velocity-Wert. Eine ähnliche Anordnung haben die 16 Endlos/Q-Link-Drehregler. Sie sind berührungsempfindlich (Metallkappen) und mit roten LED-Kränzen ausgestattet. Mit diesen Reglern können beliebige Werte gesteuert werden (Level, Stereo-Panorama, Parameter von virtuellen Instrumenten, Effektparameter …). Von der MPC 60 wurde das praktische Polster zum Abstützen der Handballen übernommen. Selbstverständlich gibt es eine Note-Repeat-Taste zum rhythmischen Wiederholen der Sounds. Mit dem Erase-Button können einzelne Noten „On the Fly“ gelöscht werden. Insgesamt acht verschiedene Pad-Belegungen lassen sich über vier Bänke (Tasten A-D) aufrufen. Die Anschlagsdynamik der Pads wird durch den Button „Full/Half-Level“ deaktiviert. Ist dieser Button aktiv, liegt die Velocity konstant bei einem Wert von 127 oder 63. Bei der 16-Level-Funktion wird die Velocity in ebenso viele Stufen unterteilt, die auf die einzelnen Pads verteilt werden. Die typische MPC-Hierarchie, bestehend aus Projekten, Songs, Sequenzen und Tracks, kommt auch bei der Renaissance zum Einsatz. Auch beliebte Elemente der Hardware hat AKAI recycelt. So ist die komplette Transportsektion Renaissance identisch mit der MPC 3000.

Mithilfe von vier Mode-Tasten und Shift kann man zwischen zehn verschiedenen Arbeitsweisen wechseln. In der Betriebsart „Program Edit“ kann man die einzelnen, auf die Pads verteilten Samples bearbeiten. Im Programm „Mix“ regelt man Levels, Panning und Effekte der einzelnen Instrumente und Sounds. „Sequence Edit“ bietet die Möglichkeit, Sequenzen mithilfe der ersten acht Pads im Schnellverfahren (Copy, Transpose, Erase …) zu bearbeiten. „Sample Edit“ erklärt sich wohl von selbst: Samples schneiden, transponieren, loopen und dergleichen. Im „Song Editor“ lassen sich einzelne Sequenzen zu einem Arrangement zusammenfügen. Die Funktionen der Endlos-Drehregler kann man im Q-Link-Modus verändern. Ähnlich wie im Mixer-Modus regelt der „Track-Mode“ die Attribute (Lautstärken, Panorama, Effekte ...) der einzelnen Tracks untereinander. „Effects“ ändert Effekt-Parameter (Master, Einzel-Tracks ...). „Sample Rec“ dient zur Aufzeichnung von Samples über die diversen Audio-Inputs der Renaissance oder zur Erstellung eines Re-Samples. Im Song-Modus lassen sich diverse Preferences, wie zum Beispiel Pad-Empfindlichkeit, Footswitch-Funktionen und mehr festlegen

Zum Aufrufen und Laden von Projekten, Sequenzen, Programmen und Samples, sind die fünf Data-Select-Buttons gedacht. In Verbindung mit der Shift-Taste lassen sich so außerdem ohne Umwege fünf Datenordner aufrufen. Zum Widerrufen (Undo) oder zum Wiederholen (Redo) von bereits erfolgten Aktionen dient eine entsprechende Taste. Über vier Cursor-Tasten navigiert man durch die einzelnen Parameter der Menüs. Deren Werte oder Optionen lassen sich per Drehknopf „Data-Dial“ oder die Tasten „+/-“ verändern. Ein Nummernfeld dient zur Eingabe von Zahlenwerten. Manuell lässt sich das gewünschte Songtempo per Tap Tempo Button eintippen. Das führt uns zum Display, welches bei der Renaissance circa 13 Zentimeter breit und vier Zentimeter hoch ausfällt. Es ist monochrom blau und mit einer Hintergrundbeleuchtung versehen. Der Neigungswinkel der Anzeige lässt sich stufenlos verändern. Unterhalb des Displays sind sechs Funktionstasten (F1 bis F6) positioniert, mit deren Hilfe man die verschiedenen Unterpunkte der Menüs selektieren kann. Die Verstärkung des zu sampelnden Signales lässt sich per „Rec Gain“ justieren. Zuvor muss aber per Schalter die passende, analoge Eingangsquelle ausgewählt werden - also die beiden symmetrischen Kombi-Buchsen (Mike oder Line) oder die Cinch-Eingänge (Phono- oder Line). Eine vierstellige LED-Kette zeigt den Pegel des Eingangssignals an. Der Drehregler „Direct Monitor“ blendet stufenlos zwischen Input-Signal und Sampler/Sequenzer. „Main Volume“ bestimmt die Hauptlautstärke.

Klangerzeugung

Basis für die Klangerzeugung und das Sequencing ist die hauseigne MPC-Software von AKAI. Ein Programm kann bis zu 128 Pads umfassen, welche auf acht Bänke verteilt sind. Jedes Pad lässt sich mit bis zu vier Samples belegen. Maximal 128 verschiedene Sequenzen kann ein Programm enthalten. Dieses besteht wiederum aus bis zu 128 Tracks. Aus den programmierten Sequenzen kann man im Song-Editor seine Arrangements erstellen. Speichet man ein Projekt, werden alle Daten gesichert - von der Pad-Belegung über Sequenz- und Song-Arrangement bis hin zu den einzelnen Samples. 

Die größtenteils grau und schwarz gehaltene grafische Benutzeroberfläche der MPC-Software ist relativ schlicht und sehr übersichtlich gestaltet. Im linken Teil des Bildschirms residiert der Datei-Browser, wo die vier Ordner mit ihren darin gespeicherten Projekten, Programmen und Samples angezeigt werden. Sequenzen, Tracks, Songs und Konsorten haben oben rechts auf dem Bildschirm ihr Zuhause gefunden. Darunter liegen Features wie die Q-Link-Controller, Pads und Effekte. Die Transportsektion der MPC-Software reicht auf einem schmalen Streifen im unteren Fensterteil über die ganze Bildschirmbreite.

Sounds

Neben dem Betrieb als Standalone-Software lässt sich die MPC auch als Host oder Plugin verwenden (VST, AU, RTAS). Die Renaissance kann die Daten aller bisherigen MPC-Modelle laden. Als Formate sind WAV, SND, AIFF und MP3 erlaubt. Die neun Gigabyte große Samplelibrary bietet eine Vielfalt von typischen Drum-Samples im Hip-Hop-Style, als Vintage Drum Machines oder im Stile satter Rock Schlagzeugschleifen. Das virtuelle Instrument „The Wub“ ist ein typischer Dance-Synth. Und hinter dem Namen „The 809“, verbergen sich, wie soll es anders sein, die Klänge von Vintage-Klassikern a´la TR-808 oder TR-909 und Artgenossen. Wer auf Chiptune-8-Bit und Circuit-Bend steht, der ist beim MPC-Instrument „The Noise“ an der richtigen Adresse. Mit über 50 internen Effekten lassen sich die Klänge zudem verwursten. Die analog zu digital Wandlung der Renaissance-Hardware erfolgt mit einer Bitrate von 24 Bit und einer Samplingrate von bis zu 96 Kilohertz. Der Vintage-Modus emuliert den Sound der MPC 60, der MPC 3000 oder im „Other-Modus“ gar den der legendären Emu SP-12/SP-1200.

Praxis

MPC Renaissance Software-Installation

Rein äußerlich könnte man annehmen, dass es sich bei der Renaissance um eine MPC im klassischen Sinn handelt. Doch ohne zusätzlichen Rechner und die entsprechende Software geht nichts. Also rein ins Laufwerk mit dem Silberling! Als Computer verwende ich ein MacBook mit 2,4 GHz Intel Core 2 Duo Prozessor und 4 Gigabyte RAM. Das Betriebssystem ist OSX 10.6.8. Zunächst einmal installiere ich den aktuellen Audio- und MIDI-Treiber (Version 2.1.13.). Dann folgt die eigentliche MPC-Software Version 1.0. Ich entscheide mich dafür, sowohl die Standalone-Variante wie auch VST- und AU-Plugin zu installieren. Nach wenigen Minuten ist auch diese Installation erfolgreich abgeschlossen. Vom nächsten Silberling lade ich die Drum&Loop-Library. Der Installationsvorgang ist ähnlich, dauert diesmal allerdings knapp 15 Minuten. Auch die drei mitgelieferten Instrumente auf den Rechner zu bannen, ist ein wenig zeitaufwendiger. Ein gute Stunde sollte man für das Gesamtpaket etwa einplanen.

Es folgt ein Neustart, ich verbinde die Hardware via USB mit dem Rechner und schalte diese an. Auf dem Display erscheint ein großer MPC-Schriftzug und die LEDs begrüßen mich mit einer Lichtshow im Las-Vegas-Stil. Ich öffne die Software und bekomme sofort den Hinweis, dass diese bis zur Registrierung im Demo-Betrieb läuft, was unter anderem bedeutet, dass etwa alle 30 Sekunden ein lautes Rauschen in das Audiosignal gemischt wird. Also klicke ich auf „Unlock now“. Schon öffnet sich dank bestehender Internetverbindung das Registrierungsfenster, wo ich ein paar persönliche Daten eingebe und im Anschluss ist die Software freigeschaltet. Wer die Software/Renaissance bereits zuvor auf der AKAI-Website registriert hat, kann nun einen entsprechenden Code eingeben. Dann öffnet sich ein weiteres Popup, welches mir anzeigt, dass die installierte 1.0 nicht mehr aktuell ist, woraufhin ich Version 1.2 herunterlade. Der komplette Installationsvorgang der MPC-Software muss nun noch einmal wiederholt werden. Zum Glück ist das ziemlich schnell erledigt und es kann endlich losgehen!

Nächster Schritt: Ich öffne die Software im Standalone-Modus. Dank der übersichtlichen Grafik und der klar strukturierten Arbeitsweise der MPC finde ich mich schnell zurecht. Im Nu habe ich per Drag’n’Drop ein Programm geladen und so bereits nach wenigen Minuten meine erste Drum-Sequenz mit der Renaissance erstellt. Und das, obwohl ich kein regelmäßiger MPC-User bin oder zuvor ausgiebig das Manual studiert hätte. Schnell wird klar, dass AKAI es hier sehr gut geschafft hat, den beliebten, sehr intuitiven Workflow der alten MPC-Modelle auf die Software zu übertragen. Ein wichtiger Vorteil der Renaissance gegenüber den MPC-Vorgängern ist der nun „unbegrenzte“ Speicherplatz. Auch das Hantieren mit veralteten Speichermedien (zum Beispiel Zip-Disketten) entfällt. Bevor ich das Gerät und die Software detaillierter unter die Lupe nehme, interessiert mich natürlich brennend, ob sich die Software problemlos in der DAW meiner Wahl starten lässt. In Logic öffnet sich ein Dialogfenster, mit dem ich die MPC Renaissance als Software-Instrument hinzufügen kann - allerdings nur einmal innerhalb der DAW. Dies macht in meinen Augen durchaus Sinn, da man ja auch nur über einen Controller verfügt. Außerdem lassen sich bis zu acht virtuelle Einzelausgänge in die DAW übertragen. 

Ein sehr praktisches, zeitgemäßes und neues Feature ist der nun pro Track individuell justierbare Swing. Zuvor war lediglich ein globaler Swing der einzelnen Instrumente möglich. In Verbindung mit „Track Delay“ sind nun mit der MPC auch komplexere Grooves möglich, wie sie zum Beispiel im UK Garage üblich sind. Im Track- und Programm-Mixer lassen sich die Sounds mit den zahlreichen internen FX bearbeiten. Zusätzlich können auch externe Plugins (AU, VST ...) verwendet werden. Zum Test scanne ich den Rechner in den MPC-Software-Preferences nach weiteren Einheiten. Im Logic-Ordner werde ich fündig und kann dessen Audio-Unit-Plugins der Liste hinzufügen und ohne Probleme öffnen und verwenden. Diesbezüglich gibt es also nichts zu meckern. Allein die Tatsache, dass eine MPC Renaissance im Gegensatz zu den Vorgänger-Modellen nun sekundenschnell auf Unmengen von Sounds und Extensions zurückgreifen kann, bedeutet einen riesigen Fortschritt. Die Qualität der mitgelieferten Effekte ist wirklich sehr gut. Praktischerweise gibt es Filter, EQs und Delays grundsätzlich in gleich mehreren Ausführungen. Die grafische Darstellung der Plugins ist relativ schlicht gehalten, was sie aber auch leicht bedienbar macht. Leider fehlt den FX ein Bypass. Außerdem kann leider immer nur ein Effekt angezeigt werden.

Ein klares Pro-Argument für Besitzer einer älteren MPC, auf die Renaissance umzusatteln, ist die Möglichkeit, die Daten der Vorgänger laden zu können. Dies habe ich mit meinen Projekten der MPC-Modelle 5000 und 60 probiert, was anstandslos funktionierte. Die Software läuft erfreulicherweise sehr ressourcenschonend und angenehm stabil. Selbst bei der kleinsten Puffergröße von 64 Samples gab es keine Schwierigkeiten. Die Renaissance ist definitiv die bisher fortschrittlichste Variante der neuen MPCs. Mit ihr kann der Besitzer nahezu alle Handgriffe schnell und zuverlässig verrichten, ohne dass er besonders oft auf den Computerbildschirm schauen müsste. 

Kommen wir aber nun zu einem nicht minder wichtigen Punkt. Nämlich der Hardware. Das von früheren Modellen bereits vertraute, robuste Chassis könnte beinahe vergessen machen, dass man es hier mit einen Controller zu tun hat. AKAI hat erfreulicherweise viel Metall und wenig Plastik verbaut. Und auch die griffigen Seitenteile aus gummiertem Kunststoff und die praktische Polsterleiste verstehen es zu überzeugen. Eine ebenso vorbildliche Qualität haben die Q-Link-Regler mit ihren LED-Kränzen, die ein intuitives Arbeiten unterstützen. Mit ihnen lassen sich zuverlässig die unterschiedlichen Parameter steuern. Sei es zum schnellen Editieren von Samples, zum Einstellen von Effekt-Parametern oder zum Justieren von FX-Sends. Außerdem sind sie berührungsempfindlich, um zusätzliche Funktionen wie Mutes oder Cutoff-Filter zu dirigieren. Da die Regler obendrein genauso angeordnet sind, wie die Pads, eignen sie sich hervorragend zur Steuerung des internen Software-Mixers. So hat man im wahrsten Sinne des Wortes, „im Handumdrehen einen Mix“ seiner Beat-Kreationen erstellt. 

Flexibilität ist alles

Die Pads haben die bewährte AKAI-Qualität und sind darüber hinaus noch mit der praktischen Randbeleuchtung ausgestattet. Dieses gibt mir ein schnelles, visuelles Feedback, ohne dabei den Controller zur Kirmes-Lightshow mutieren zu lassen. Außerdem zeigt die Randbeleuchtung an, welche Spuren im Track-Modus aktuell gemutet sind, welche Pads im Program-Edit gerade bearbeitet werden und mehr. In den Preferences lassen sich sieben unterschiedliche Pad-Curves auswählen. Außerdem sind Threshold und Empfindlichkeit der Pads für den individuellen Anspruch in jeweils 16 Stufen regulierbar. Beide Daumen nach oben! Die zahlreichen Ein- und Ausgänge, die zuschaltbare Phantomspeisung des Mikrofoneingangs und der integrierte Phono-Vorverstärker machen die Renaissance sehr flexibel einsetzbar. Mit zwei MIDI-Eingängen und vier MIDI-Ausgängen ist der Proband bezüglich der Zusammenarbeit mit externen Controllern und Playern ebenfalls bestens ausgestattet. Außerdem benötigt, wer mit der Renaissance arbeitet, grundsätzlich kein weiteres Audiointerface. Denn die Audio-I/Os des Gerätes lassen sich auch einer DAW zuordnen. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass die Hardware gleichzeitig auch als Software-Dongle fungiert. Mal eben im Zug, nur mit dem Laptop bestückt, flott einen Song vorbereiten, fällt somit leider flach. Schade, echt!

Klangästhetik

Gretchenfrage: Wie klingt die Renaissance denn nun eigentlich? Die hochwertigen D/A-Wandler des Gerätes liefern einen sehr druckvollen und transparenten Sound, der schlicht ausgedrückt den nötigen Punch mitbringt, den man von solch einer Maschine erwartet. Etwas enttäuscht hat mich der mit Spannung erwartete Vintage-Mode. Die klanglichen Veränderungen dieser Funktion sind zwar klar hörbar, aber nicht so gravierend, als dass man diese nicht auch mit einer üblichen Klangbearbeitung (EQ, Kompressor ..) erzielen könnte. In meinen Augen tut dies der Sache aber dennoch keinen Abbruch, denn der Klang ist rundweg hochwertig. Und das zählt! Die mitgelieferten Sounds der MPC sind zum größten Teil sehr druckvoll und „lebendig“. Das heißt, sie klingen nicht so steril, wie die Klänge mancher anderer Anbieter. Außerdem sind die Drum Sounds der Presets untereinander sehr stimmig. Ein stundenlanges Suchen nach der Richtigen Hi-Hat zur Snare entfällt so in der Regel. Das spart Zeit, das gefällt und das macht Spaß! 

MPC Renaissance vs. Maschine MKII

Die Maschine MKII von Native Instruments hat im Gegensatz zur MPC Renaissance keine Audioschnittstelle. Somit ist die Hardware der Maschine ein reiner USB-MIDI-Controller. Auch in Größe und Gewicht unterscheiden sich beide Geräte sehr. Bringt die Maschine lediglich 2,15 Kilo auf die Waage, kommt die Renaissance mit stolzen 4,75 Kilogramm daher. Damit dürfte klar sein, dass unser AKAI-Testgerät im Gegensatz zum Berliner Konkurrenten nur bedingt als mobiles Gerät für unterwegs geeignet ist. Dafür, dass man bei der Machine MKII auf Audioanschlüsse verzichten muss, legt man allerdings auch weniger Geld auf den Tisch, denn sie kostet „nur“ 600 €, während die Renaissance stolze 1080 € (beide Preise UVP) aufruft. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Beide Geräte beruhen auf dem von Roger Linn entwickelten Prinzip des Sampling-Drumcomputer. Auch der Umfang der mitgelieferten Samples ist vergleichbar. Im Punkt Haptik und intuitive Bedienbarkeit hat für mich persönlich jedoch die MPC Renaissance klar die Nase vorn. Bei der Maschine geht zum Beispiel vor einem ausführlichen Blick in das Manual kaum etwas. Und auch die Zusammenstellung der Presets erscheint mir bei AKAI einfach harmonischer. Kurzum, die Renaissance macht zumindest mir wesentlich mehr Spaß. 

 

Fazit

Die MPC Renaissance ist eine virtuelle Beatmaschine mit einer Hardware, die in Sachen Verarbeitungs- und Materialqualität das Prädikat „absolute Spitzenklasse“ verdient. AKAI hat es mit diesem Gerät tatsächlich geschafft, die intuitive Arbeitsweise und Haptik der MPC-Serie stimmig auf eine Controller/Software-Kombination zu übertragen. Die ohnehin hochwertigen Pads wurden durch die neue Randbeleuchtung noch einmal verbessert. Und auch die vielseitigen, berührungsempfindlichen Q-Link-Regler mit ihren LED-Kränzen bringen den Workflow auf ein neues Niveau. Der Klang der Audioausgänge ist wirklich hervorragend. Zum Preis von 1080 € wandern obendrein über neun Gigabyte größtenteils hochwertige Sounds über den Tisch. Besonders die tollen Drum Presets sind hier zu erwähnen. Ebenfalls im Paket: Viele gut klingende FX-Plugins, die sich durch Audio Units oder VST erweitern lassen. Das englischsprachige Handbuch ist ein Wermutstropfen, doch mit dem deutschen Quickmanual und dem Control-Sheet kommt man erst einmal zurecht. Leider ist die Hardware auch gleichzeitig der Software-Dongle, womit ein Arbeiten ohne Controller, zum Beispiel im Zug oder Flieger, leider ausfällt. Meiner Meinung nach ist die MPC Renaissance ideal für Anwender geeignet, die eine hochwertige virtuelle Beatmaschine inklusive Audiointerface suchen, die obendrein noch Spaß macht und einen schnellen Einstieg ermöglicht. Und natürlich für langjährige MPC-User oder Leute, die auf eine etwas altmodischere Arbeitsweise ohne Computermaus stehen. 

  • Pro
  • Sehr gute Material- und Herstellungsqualität
  • Hochwertige Wandler mit bis zu 24 Bit und 96 kHz
  • Hervorragender druckvoller Klang
  • Gute Haptik mit intuitivem Workflow
  • Übersichtliche Benutzeroberfläche der Software
  • Projekte aller Vorgänger-MPCs können geladen werden.
  • Zweifacher USB-Hub
  • Anzahl der MIDI-Schnittstellen
  • Hochwertige Sounds und Effekte
  • Externe Plugins können eingebunden werden
  • Bewährte MPC-Pads mit neuer Randbeleuchtung
  • Integrierter Phono-Preamp
  • Mikrofoninput mit Phantomspeisung
  • Berührungsempfindliche Q-Link-Regler
  • Komplexere Grooves dank neuer Swing-Funktion
  • Contra
  • Kein deutschsprachiges Manual
  • Hardware ist Software-Dongle
  • FX-Plugins fehlt die Bypass-Funktion
  • Features
  • Integriertes USB-Audiointerface
  • Vintage Mode mit dem Klang der Modelle MPC 3000, MPC 60, etc.
  • 16 beleuchtete Pads
  • LCD Bildschirm
  • 16 Q-Link Regler
  • MPC Note-Repeat-, Swing- & Transport-Tasten
  • Zwei XLR/Klinken-Kombi-Eingänge und Phono-Input
  • Integriertes 4-Kanal USB 2.0 Audiointerface und zweifacher USB 2.0 HUB
  • Acht Pad-Bänke
  • Standalone, VST, AU oder RTAS Betrieb
  • Unterstützt WAV, MP3, AIFF, REX und SND
  • Kompatibel mit allen MPC-Modellen
  • Mac und PC-tauglich
  • Zwei MIDI-Inputs und vier MIDI-Outputs
  • Inklusive MPC Software mit bis zu 64 Tracks
  • Sound-Bibliothek mit 9 GB Klangmaterial inklusive
  • Technische Daten
  • Allgemein
  • Display: 360 x 96 Pixel LCD mit rückseitiger Beleuchtung
  • Maße: (B x T x H) 50,17 cm x 32,8 cm x 7 cm (12,45 cm mit ausgeklapptem Display)
  • Gewicht: 4,76 kg
  • Spannungsversorgung: Extern, 12V, 2A
  • Leistungsaufnahme: maximal 24W
  • Fußschalter: 2
  • USB Hub: 2 Port
  • MIDI I/O Interface: 2 In / 4 Out
  • Audio und MIDI I/O
  • Sample Rates: Bis zu 24 Bit und 96 kHz
  • Hardware-Monitoring via Adjustment Knopf
  • Record Input (L and R): 2 x XLR/Klinken Kombibuchse, symmetrisch, -40dBu, Eingangsimpedanz11k Ohm; Cinch Phonoinputs (Stereo)
  • Max. Input Level: +10dBu
  • Digital Input: S/PDIF, Cinch (24 Bit)
  • Audio Outputs: 4 x Klinke (6,3 mm), symmetrisch, +11dBu, Ausgangsimpedanz 1k Ohm
  • Max. Output Level: +18dBu
  • Kopfhörer Output: 1 x Klinke (6,3mm), 200mW / 100 Ohms und 1 x Miniklinke, 200mW / 100 Ohm
  • Digital Output: 1 x S/PDIF (Cinch), 24 Bit
  • MIDI Inputs: 2 x 5-pin DIN
  • MIDI Outputs: 4 x 5-pin DIN
  • Fußschalter: 2 x Klinke (6,3 mm)
  • Systemvoraussetzungen
  • Mac: 2 GB RAM (4 GB empfohlen) Mac OS X 10.6 oder höher. DVD-ROM Laufwerk
  • Windows: 2 GHz Pentium 4 oder Celeron kompatible CPU oder schneller (Multicore-CPU empfohlen), 2 GB RAM (4 GB empfohlen). Windows 7 (32 oder 64-bit). DVD-ROM Laufwerk